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"Tausendfüßler" in Südwestfalen:
Transformator- und Walzenständertransporte

Allgemeine Informationen

Auf südwestfälischen Gleisen sind in der Regel nur zwei schwerstlastige Ladegüter zu transportieren: Großtransformatoren der regionalen Energieversorger von und zu den Hoch- und Höchstspannungsanlagen in Südwestfalen sowie Walzenständer zur Bearbeitung bei SMS Siemag in Dahlbruch am Fuße des Rothaargebirges. Die Häufigkeit solcher Transporte ist allerdings recht selten. Hoch- und Höchstspannungsanlagen werden nur nach Neubau und nach Umbauten oder im Falle von sehr seltenen Schäden mit neuen Transformatoren bestückt. Die Anzahl der Walzenständertransporte hängt von der weltweiten Neubau- oder Umbaurate von Walzwerken ab.

Besaßen früher alle neben Bahngleisen gelegenen Umspannwerke einen eigenen Bahnanschluß, so werden seit Mitte der neunziger Jahre alle 110 kV-Trafos im Normalfall auf der Straße befördert. Lediglich die 220 kV- und 380 kV-Trafos sind auf den Schienenweg angewiesen, um nur kürzeste Straßenabschnitte nutzen zu müssen. Folgende Anlagen besitzen ⁄ besaßen in Südwestfalen und direkt angrenzend ein Anschlussgleis:

Anlageaktuelles
EVU
Spannungs-
ebene (kV)
DS 100 ⁄ 2Letzte bekannte
Bedienung
Bemerkungen
UW ArnsbergRWE ⁄ Westnetz110EARBGla abgebaut
UW BalveRWE ⁄ Westnetz110EBAV09.08.1988Nutzung Bahnhofsgleis,
UW-Erstbestückung
UW BeleckeRWE ⁄ Westnetz110EBLKAnst, WLE-Strecke
UW BiggeRWE ⁄ Westnetz110EVWE20.05.2015Awanst, Einbindung in ESTW-
Stellwerk Bestwig Ende 2013
UW BürenRWE ⁄ Westnetzex 220, 110EVWA07.12.2012Anschlussbahn (Rekostein-)
Nehden - Büren
Gla Am Bühl 12.2014 abgebaut
KKW ElverlingsenENERVIE ⁄ Mark E220, 110EMKE16.09.2007Awanst, Kohlekraftwerk
UW ErndtebrückRWE ⁄ Westnetz110EVWEBerghausen
Anst 04.2010 abgebaut
UW EversbergRWE ⁄ Westnetz110EEV1991Gla, wl Vb,
UW-Erstbestückung
WKW Hagen-HengsteyRWE Power220EHGSI08.05.2007Awanst, Koepchenwerk
UW HemerRWE ⁄ Westnetz110EHEMGla 03.2005 abgebaut
UW HördeDEW21 ⁄ Dortmund Netz GmbH110EDHGla 20.07.2015 abgebaut
UW KorbachE.ON110FKOBNutzung Bahnhofsgleis
UW KruckelAmprion380EDKE08.12.2015Awanst, 2012 auf 380 kV hochgerüstet
UW LaaspheRWE ⁄ Westnetz110EVWLAnst abgebaut
UW LangschedeRWE110ELSDGla abgebaut
UW Lippstadt-RoßfeldRWE ⁄ Westnetz110ELPPGla vor 2011 betrieblich gesperrt
UW MeschedeRWE ⁄ Westnetz110EMSD09.10.2002Alttrafoabholung mit 232 303,
Gla 2009 abgebaut
UW MessinghausenRWE ⁄ Westnetz30EMSNBahnhofsgleis abgebaut
UW MendenRWE ⁄ Westnetz110ERWM22.10.1990Anst 1991 abgebaut
UW NehdenAmprion380, 110EVWA20.12.2005Leerwagenabholung Uaai 831 und NCS-Wohnwagen (86-80-996 0 404 und
63-80-99-40 026), Anschlussbahn
Rekostein - Nehden (-Büren)
UW NiedereimerRWE ⁄ Westnetz110ENDE1999RLG-Strecke,
UW-Erstbestückung
UW Plettenberg-OhleENERVIE ⁄Mark E110EPLTGla abgebaut
UW OstönnenRWE ⁄ Westnetz110EOTN2000Neubestückung nach Umbau 2000
Awanst 2012 abgebaut
UW SchmallenbergRWE ⁄ Westnetz110EVWSGesamtverkehr am 30.12.1994 eingestellt
KKW SchmehausenRWE Power380ESMH08.12.2015RLG-Strecke
WKW SieselENERVIE ⁄ Mark E110EMKSAwanst abgebaut
UW Soest SüdRWE ⁄ Westnetz110ESOSca. 1985Anst, RLG-Strecke 2001 stillgelegt,
UW-Erstbestückung
UW SundernRWE ⁄ Westnetz110ESUD04.03.1991Nutzung Bahnhofsgleis
UW SümmernRWE ⁄ Westnetz220ERWK10.09.2007Hst Hennen, wl Vb
UW UnnaAmprion380, 110EVWUAnst
Anst=Anschlussstelle, Awanst= Ausweichanschlussstelle, Gla=Gleisanschluß, wl Vb =weichenlose Verbindung

110 kV-Trafotransporte auf Tiefladewagen Gattung Uaai

Für den Transport der "kleineren" Transformatoren eignen sich die diversen Tragwagen der Bauarten Uaai ohne seitliche Verschubmöglichkeit der Ladefläche. Der Versorger VEW besaß bis Mitte der neunziger Jahre dazu den eigenen Uaai 571.9 (letzte Wagennummer 33 80 995 0 000), im Jahre 1937 von MAN gebaut.

Die zu transportierenden Lasten wiegen dabei zwischen 80 und 135 Tonnen, je nach Hersteller bzw. Bauart der Transformatoren. Wurden diese Transporte bis in die achtziger Jahre immer weitmöglichst auf dem Schienenweg abgewickelt, so finden diese heute in der Regel komplett auf dem Straßenweg mittels Schwertransport-Tieflader statt. Ausnahmen bilden die Anlagen, die straßenseitig nicht oder nur sehr schlecht erreichbar sind, wie beispielsweise das UW Bigge.

Bildleiste 110 kV-Trafotransporte

220 und 380 kV-Trafotransporte auf Tragschnabelwagen Gattung Uaai,
Anschlußbahn Egger Bft Rekostein (früher Rekostein Anst) – Nehden – Büren

Für diese nur sehr bedingt straßentauglichen Transporte pachtete einst 1979 der Stromversorger VEW (im Jahre 2000 in RWE aufgegangen) die DB-Strecke Alme - Büren, welche 1985 saniert wurde. Nach der Stillegung des Teilstückes Rekostein Anst - Alme durch die DB zum 30.05.1992 wurde auch diese Teilstrecke 1995 dazugepachtet und nach Unwetterschäden im August 1995 saniert. Die Geburtsstunde der Ausflugsverkehre auf der Pachtstrecke im Almetal (zunächst mit einem alten, generatorbetriebenen Dortmunder Straßenbahnwagen) war bereits 1981.

Im Zuge der langfristig erfolgenden Umstrukturierungen der Höchstspannungsnetze wurden an der heute von Amprion, vormals RWE, früher VEW gepachteten DB-Strecke Rekostein Anst – Büren die Anlagen Nehden und Büren größeren Umbauten unterzogen. Da bei RWE die 220 kV-Spannungsebene ganz eingestellt werden sollte, wurde in Folge dessen die Schaltanlage Nehden im Zeitraum 2003 bis 2005 in eine Schalt- und Umspannanlage (380 kV ⁄ 110 kV) umgerüstet (hier besteht eine Netzverknüpfung mit der E.ON-Leitung Richtung Twistetal).

Nachdem in Nehden zuletzt im Juni 1997 ein zwischengelagerter Großtrafo abtransportiert wurde, kam dort am 18. Mai 2003 mit der Anlieferung eines ersten, neuen 380 kV-Trafos durch mit der Lok 26 der Westfälischen Almetalbahn wieder Leben auf die Strecke (DGS 75170), die bis zum Pachtende am 31.12.2014 sonst nur im Ausflugsverkehr der früheren Westfälischen Almetalbahn e.V. (1998 als Waldbahn Almetal e.V. neu gegründet) befahren wurde.

Im November 2004 ging dann der erste Bauabschnitt im UW Nehden in Betrieb, mittlerweile ist diese Anlage fertiggestellt, sodass mit der Abholung eines Leerwagens am 20.12.2005 mit 294 385 die zunächst letzte Bedienung stattfand.

Darauffolgend wurde die aus dem Jahre 1970 stammende 220 kV-Anlage in Büren zu einer 110 kV-Anlage heruntergerüstet, die Leitungen vom Kraftwerk Lippborg bei Hamm werden heute nur noch mit 110 kV betrieben. Im Jahre 2011 brachte die RWE dann ihre 220- und 380-kV-Netze und Anlagen in die neu gegründete Amprion GmbH ein, die 110 kV-Anlagen und -Netze gingen auf die RWE-eigene Netzgesellschaft Westnetz über. Im Zuge der Umstellungs- und Übereignungsmaßnahmen wurden auch die drei alten Bürener 220 kV-Trafos (ebenfalls Baujahr 1970) der Hersteller SCHORCH und BBC sukzzesive zu neuen Verwendungsstellen abtransportiert.

Bildleiste 220 kV-Trafotransporte

Durch die Fa. Bahnbau Becker wurde mittels Zweiwegebagger der Streckenoberbau Anfang 2009 bis zum Umspannwerk Büren für die Abholung der 1970 angelieferten Trafos wieder fit gemacht. Die Abtransporte erfolgten am 20.03.2009 (Münster), 29.04.2010 (Rommerskirchen) und am 23.03.2012 (Hattingen). Bei dem ersten der abgewickelten Transporte wurde 2009 auf dem Hinweg noch ein Großtrafo als Schulungsobjekt aus Oberhausen-Sterkrade nach Büren umgesetzt, der von dort jedoch nach dem Verkauf des Höchstspannungsnetzes an die Amprion GmbH am 07.12.2012 als allerletzter Großtrafotransport vom heutigen RWE ⁄ Westnetzgelände wieder abgeholt wurde.

Schlußendlich zum 31.12.2014 kündigte die Amprion GmbH als heutiger Streckenpächter den Vertrag sowie den Überlassungsvertrag mit der Waldbahn Almetal für den nicht mehr benötigten Abschnitt UW Nehden (km 47,1) – UW Büren (km 28,1) auf, da nur noch die 500 Meter Gleis zwischen Egger Bft Rekostein (km 47,6) und Nehden (km 47,1) für eventuelle 380 kV-Trafotransporte benötigt werden. Der letztgenannte Abschnitt wurde im März 2012 (ebenfalls durch die Fa. Bahnbau Becker) mit Schienen- und Schwellenerneuerungen saniert. Gemäß dem Pachtvertrag ist der Oberbau des an DB Netz zurückfallenden Streckenabschnittes abzubauen, was auch das Ende für den Schienenbusausflugsverkehr durch die Waldbahn Almetal bedeutet.

Die heutige Amprion GmbH besitzt zwei der zwanzigachsigen Tragschnabelwagen mit einer Eigenlast von 117 Tonnen, um die etwa 160 Tonnen-"Leichtgewichte" aufzunehmen. Diese Wagen stammen aus einer Kleinserie von 6 Stück des Herstellers MAN (Baujahr 1956, Umbauten 1961 - 1965) für die damaligen Höchstspannungsnetzbetreiber:

WagenGattungErsteigentümerheutiger EignerBemerkungen
84 80 996 0 000Uaai 685.9VEWRWE AG, EssenEinsatzende 2002, später verschrottet
84 80 996 0 001Uaai 688.9Preußen ElektraE.ON Netz GmbH, Bayreuth
84 80 996 0 002Uaai 684.9RWEAmprion GmbH, Dortmund
84 80 996 0 003Uaai 687.9RWEAmprion GmbH, Dortmund
84 80 996 0 004Uaai 687.9BayernwerkNCS GmbH, Hanau2013 von E.ON übernommen
84 80 996 0 005Uaai 687.9BadenwerkKübler Spedition, MichelfeldEnde 2013 von EnBW übernommen
Quellen: Foren auf www.drehscheibe-online, www.4m-ladegueter.de, ncs, Kübler Spedition

Für die Transporte war bis zur Ausgliederung der Amprion GmbH die RWE-eigene Rhein-Ruhr Netzservicegesellschaft mit Sitz in Dortmund zuständig. Fuhr das Begleitpersonal früher noch in den beengten Kabinen auf den Uaai-Wagen mit, so stehen heute bei Amprion hierfür die Begleit-Bauwagen 60-80-092 3 040 und 041 (ehemalige DB-Bauzugwagen) zur Verfügung.

Großtrafotransporte mit dem Tragschnabelwagen Uaai 839

Gelegentlich lassen sich auf der Hellwegstrecke durchreisende Schwersttransporte mit 380 kV-Trafos mit dem 1973 von Krupp gebauten 32-achsigen Tragschnabelwagen 86-80-997 2 901-4 –ein Einzelstück– beobachten. Da diese Fahrten jedoch ausschließlich in den Nachtstunden durchgeführt werden, kann man tagsüber seltenerweise mal eine Zwischenabstellung auf einem der Unterwegsbahnhöfe fotografieren.

Der ehemals zur DB-Eisenbahnschwerlastgruppe Schwerte zugehörige Wagen wurde mit der Bahnprivatisierung wie seine anderen DB-Kollegen der Gattung U der DAHER-HCS übereignet, von wo aus der Wagen auch heute noch im gesamten Bundesgebiet zum Einsatz kommt. Auch im Raum Südwestfalen und direkt angrenzend kommt der größte Spezialwagen der Gattung Uaai sehr selten zu den Anschlüssen der UW Unna, KKW Schmehausen, UW Sümmern und UW Kruckel zum Einsatz. Gelegentlich werden auch "etwas kleinere" 220 kV-Großtransformatoren aus der 250-Tonnen-Klasse mit dem Einzelgänger umgesetzt.

Bildleiste Trafotransporte mit Uaai 839

Walzenständertransporte auf Tragschnabelwagen mit Durchladeträger

Die an der Rothaarbahn gelegene SMS Siemag baut große Walzwerksanlagen. Hierzu werden immer wieder teilweise im Ausland gefertigte Rohteile nach Dahlbruch zur Endbearbeitung verbracht. So auch riesige Walzenständer, die auf Tragschnabelwagen verladen angeliefert bzw. versandt werden. Die SMS Siemag besitzt zum Umschlag einen eigenen Gleisanschluss. Die lademaßüberschreitenden Transporte müssen zum Teil große Umwege in Kauf nehmen, um zum Zielbahnhof zu gelangen. Nach zwei Transporten Anfang 2012 fanden Anfang 2015 zwei weitere Transporte mit dem "kleinen" Uaai 839 von HCS mit Walzenständern zum Duisburger Hafen statt.

Bildleiste Walzenständertransporte

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